Blechschilder zu Grossmutters Zeiten

Nostalgie in Blech!

Seit Anfang der Neunziger Jahre, so mag der aufmerksame Beobachter festgestellt haben, hat sich peu a peu nicht nur eine Nostalgiewelle, sondern eine neue Historismuswelle ausgebreitet. Doch nicht erst seit gestern gibt es die Liebhaber und Sammler alter Werbemittel. So zum Beispiel von Werbeblechschildern traditioneller Unternehmen wie Persil, Maggi und vor allem zahlreicher Brauereien. Gerne wird hier als Galionsfigur die weiße Persilfrau auf grünem Grund angeführt. Auch in einige Kunstausstellungen und Galerien zogen die bunten Werbeschilder bereits ein.

Im Zuge einer Werbestrategie des fortgeschrittenen 19. Jahrhunderts kamen die emaillierten Blechschilder in Mode, und blieben es bis in die 60er Jahre. Sie fingen die Blicke der Konsumenten durch die kräftigen, glänzenden Emaillefarben ein. Das Bild wurde oft geschaffen von namhaften Grafikern. An Häuserfassaden als auch in Geschäften und an Fahrzeugen befestigt, dienten sie dazu Kauflust zu wecken.

Während blecherne Verpackungen wie Waschmitteldosen Anfang in jüngerer Zeit nochmals eine Neuauflage des jeweiligen Unternehmens als Nostalgiepackung erfuhren, so wurden Neupressungen der begehrten Blechschildern nicht von entsprechenden Unternehmen in Auftrag gegeben, sondern von spezialisierten Anbietern rein für den Sammlermarkt. Und nicht alle hervorragenden Reprints werden also solche angeboten. Wo gute Preise gezahlt werden, sind eben die Fälscher nicht weit. Denn der Liebhaber zahlt durchaus vierstellige Preise. Der Reiz der schönen Schilder liegt vor allem im festgehaltenen Zeitgeist, einer oft naiv anmutenden Darstellung einer früheren heilen Welt. Auch ist Blech weniger vergänglich als andere Stoffe. Für bereits seit Jahrzehnten unverändert bestehende Firmenlogos mag das Blechschild hier ein angemessener Zeuge sein. All das macht sie zu Kunst.

Den Charme früher Werbung und früheren Zeitgeistes geben die Replikate bei guter Qualität sicher genauso wieder wie das Original. Den unwiderstehlichen Reiz des Originals vermag wohl nur der Sammler solcher Stücke zu erklären, der gleichen Geistes ist wie der Sammler alter Gemälde, alten Schmucks und alter Waffen. Schön sind sie allemal, die Reprints wie die Originale.

  • Bildnachweis: TheGame - Fotolia.com

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