Lessings “Lob der Faulheit”

Lob der Faulheit

Faulheit, jetzo will ich dir
Auch ein kleines Loblied schenken,
Käm es nur gleich aufs Papier
Ohne lange nachzudenken
Doch, ich will mein bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.

Höchstes Gut! wer dich nur hat
Dessen ungestörtes Leben
Wird – ich gähn – ich werde matt -
Nu – so – magst Du mir vergebens,
Daß ich dich nicht loben kann;
Du verhinderst mich ja dran.

Lessings „Lob der Faulheit“ erblickte zum ersten Mal 1747 das Licht der Öffentlichkeit mit einem Abdruck in der Wochenschrift „Der Naturforscher“. Vier Jahre später fand es dann auch Eingang in die berühmten „Kleinigkeiten“ des noch jungen Dichters. Klein gerät das Lob mit nur zwei Strophen tatsächlich, beginnt bereits mit einem Zaudern und in der zweiten Strophe verliert Lessing, schon von Müdigkeit gezeichnet, den dichterischen Faden. Ist die Faulheit am Ende gar nicht derart lobenswert? Behindert sie ihre eigene Huldigung und jedes größere Werk?

Es ist die populäre Zeit der scherzhaften Lyrik als Gotthold Ephraim Lessing diese Verse schreibt. Der literarische Zeitgeist suchte eine ironisch-witzige Alternative zur Erlebnislyrik und fand sie in der Rückbesinnung auf den altgriechischen Dichter Anakreon. Dieser hatte auf poetische Art das schöne Leben und den Genuss weltlicher Freuden zum Ideal erhoben. Auch Lessing wendet sich gern dem Themenkreis von Amüsement und Müßiggang zu und dichtet sein „Lob der Faulheit“ passend zum Sujet in alternierenden Versen – lockere Poetik nach barocker Alexandriner-Strenge. Kreuz- und paarweise gereimt entsteht ein kleines Stück leichter und fröhlicher Unterhaltung. Doch dann reißt der dichterische Faden, Reime fließen zäher und Pausen bemächtigen sich der zweiten Strophe. Ein Paarreim mit resignierender Erkenntnis beendet das Unterfangen und das geplante Lob erscheint sehr unvollständig. So schön Genuss und Sinnesfreuden sein mögen, ihr Übermaß kann zum Hemmschuh geraten.

Wo Dichtung gewöhnlich ein Loblied ausführlichst und blumig bis zur Ode hin ausgestalten kann, gerät das „Lob der Faulheit“ sehr knapp und enthält fast keine würdigenden Bezüge auf das Thema. Es ist eine Huldigung der augenzwinkernden Art, die zwar das „höchste Gut“ Faulheit preist, aber noch viel deutlicher ausmalt, wozu diese fähig sein kann. Am Ende bleibt jedes Werk beschränkt und unvollendet, wo eigentlich etwas entstehen sollte und selbst dem tatenhungrigsten Dichter versagen dann die Worte.

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